LitVoc-Integration von funktionalen Analphabeten

Logo lit.voc

Das Lit.Voc Projekt

Das Projekt literacy and vocation - lit.voc - identifiziert Grundbildungsanforderungen für berufliche Tätigkeiten und entwickelt Konzepte und Materialien für das Trainieren arbeitsplatzbezogener Grundbildungskompetenzen (Skills for Life) in Europa.
Arbeitsplatzbezogene Grundbildung umschreibt die Fähigkeit zur effektiven Mitarbeit in einem Betrieb durch die Nutzung (aber nicht beschränkt auf) schriftlicher Informationen und verschiedene Formen der Kommunikation.
Dazu gehört eine angemessene Kommunikation mit Kunden und Kollegen, die Bearbeitung gestellter Aufgaben, Problemlösefähigkeit, kreatives und kritisches Denkvermögen. Es ist erforderlich zu entscheiden, was, wie, mit wem, warum und wann man mündlich oder schriftlich kommuniziert, und wie man Sprache und quantitative Informationen dazu nutzt.
Die Projektpartnerschaft vertritt den Standpunkt, dass arbeitsplatzbezogene Grundbildung die effektivste Methode ist, um die Grundbildungskompetenzen von Personen auszubauen, die sich bereits in Beschäftigung oder Ausbildung befinden.
Um die politischen Entscheidungsträger und die Fachverwaltungen, Bildungsplaner und -berater, Lehrkräfte, Ausbilder etc. bei der Planung und Umsetzung arbeitsplatzbezogener Grundbildungsprogramme zu unterstützen, entwickelt das Projekt lit.voc folgende Materialien und Konzepte:

  • THE INVISIBLE EUROPEAN CRISIS- ADULT ILLITERACY - A LONG UNDERESTIMATED PROBLEM - A READER WITH FACTS, INFORMATION AND SOLUTIONS (August 2012)

  • GRUNDBILDUNG UND BERUF- EIN WEGWEISER FÜR BERUFSBERATERINNEN UND BERUFSBERATER (August 2012)

  • GRUNDBILDUNG UND BERUFLICHE WEITERBILDUNG- EIN WEGWEISER MIT BEST-PRACTICE-BEISPIELEN (August 2012)

  • TÄTIGKEITSPROFIL EINSCHLIEßLICH DER GRUNDBILDUNGSANFORDERUNGEN AM ARBEITSPLATZ: BAUHELFER/BAUHILFSKRAFT (August 2012)

  • KERNCURRICULUM (February 2013)

  • E-LEARNING-TOOL TRAIN & ASSESS (August 2013)

Grundbildung in Europa …
Früher wurde Grundbildung als die Fähigkeit Lesen und Schreiben zu können definiert. Diese Definition hat sich geändert; heute bedeutet Grundbildung, über Kompetenzen zu verfügen, die einem Individuum die vollständige Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. Grundbildung schließt nicht nur Lesen, Schreiben, Sprechen und Verstehen ein, sondern mathematische Fertigkeiten und Medienkompetenzen, v.a. unter dem Fokus der Kommunikation und der Gewinnung, Bewertung und Verarbeitung von Informationen.
Das 21. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch den Übergang der Industriegesellschaft in eine Wissensgesellschaft. Die Anforderungen an das Qualifikationsniveau der Beschäftigten steigen nicht nur in den höher qualifizierten Berufen, sondern auch in den so genannten einfachen oder ungelernten Tätigkeiten. Diese Entwicklung ist in allen Ländern Europas zu beobachten. Aktuell und in Zukunft benötigen daher alle Menschen eine fundierte Grundbildung, damit ein Einstieg (und Verbleib) in den Arbeitsmarkt gelingt und eine Partizipation an dem Prozess des lebenslangen Lernens und Angeboten der beruflichen Fort- und Weiterbildung möglich ist.
Der klassische Analphabetismus, definiert als Unvermögen zu lesen und zu schreiben, ist in Europa nahezu nicht mehr vorhanden. Das Phänomen des funktionalen Analphabetismus unter Erwachsenen nimmt hingegen zu.
Bei einem relativ hohen Prozentsatz der EU-Bürger führt unzureichende Grundbildung zu einem Ausschluss von sozialer und beruflicher Teilhabe oder zu einem Verlust des Arbeitsplatzes. Die Anforderungen steigen auch in Beschäftigungssegmenten mit niedrigen Qualifikationsanforderungen. Eine fundierte Grundbildung ist heute wichtiger denn je, sie ist die Bedingung für soziale Teilhabe und den Beginn einer beruflichen Qualifizierung und Ausbildung und damit für den Einstieg in Beschäftigung sowie für persönliche Selbständigkeit und Unabhängigkeit [1].

In wirtschaftlicher Hinsicht erzeugt unzureichende Grundbildung zusätzliche Kosten für Unternehmen und wirkt sich negativ auf ihre Fähigkeit zur Modernisierung aus. Diese Kosten sind zurückzuführen auf Arbeitsunfälle (mangelnde Lesekompetenzen) und zusätzliche Lohnkosten, um die mangelnde Qualifikation und Eignung einzelner Mitarbeiter auszugleichen, sowie auf die zusätzlich erforderliche Zeit, um Arbeitsschritte und Produktqualität zu kontrollieren. Das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte erzeugt damit auch auf der Ebene einfacher Tätigkeiten eine geringere Produktivität des Unternehmens. Und die eingeschränkte Beschäftigungsfähigkeit hat natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeitnehmer selbst. Neben möglichen Arbeitsunfällen kann mangelnde Grundbildung auch zu Demotivation und Fehlzeiten führen.

Es gibt gute Gründe, warum Grundbildung das Herzstück des Programms Education for All (EFA) ist – nur sie ermöglicht einen Start in das soziale und berufliche Leben und das lebenslange Lernen; Personen mit fundierter Grundbildung können selbständig private und berufliche Anforderungen meistern, können ihre Kinder in der Schule unterstützen, Weiterbildungsangebote wahrnehmen. Länder mit einem hohen Grundbildungsniveau sind besser vorbereitet auf die Entwicklungen und Herausforderungen der Wissensgesellschaft [1].

[1] Aus der Website der UNESCO

Was ist der Unterschied zwischen arbeitsplatzbezogener Grundbildung
und Alphabetisierung?

Die Definition von Alphabetisierung hat sich in den letzten 50 Jahren verändert: In den 1930er und 1940er Jahren wurde unter Alphabetisierung lediglich die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben verstanden. Aktuellere Definitionen fokussieren hingegen die erfolgreiche und auch kritisch reflexive Anwendung dieser Fähigkeiten.
Zu arbeitsplatzbezogener Grundbildung gehört das Lesen, Schreiben, Sprechen, Zuhören und Verstehen, Rechnen, kritische Denkvermögen und Problemlösefähigkeiten, die Personen an ihrem Arbeitsplatz benötigen - mitunter auch IT-Kompetenzen sowie die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen.
Am Arbeitsplatz geht es nicht wie in der Schule darum, ein Buch zu lesen oder einen Aufsatz zu schreiben. Arbeitsplatzbezogene Grundbildung nimmt Bezug auf konkrete berufliche Anforderungsprofile, z.B. die Anwendung und Beachtung von Gesundheits- und Sicherheitshinweisen oder Bedienungsanleitungen, die Anfertigung von Arbeitsplänen und Übergabenotizen, die Erstellung und Verwendung von Tabellen und Diagrammen oder die Umsetzung von Arbeitsanweisungen und die Dokumentation der Arbeits(fort)schritte.
Arbeitsplatzbezogene Grundbildung integriert verschiedene Kompetenzfelder, die zwar einzeln definiert, jedoch kombiniert gelehrt, gelernt und angewendet werden. Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen sind „gleichzeitig“ erforderlich, wenn Sie z.B.:

  • Dem Teamleiter zuhören, der über eine veränderte Reihenfolge in der Bearbeitung verschiedener Aufträge informiert,
  • eine Arbeitsplatzbeschreibung lesen, die auch Zahlen und Grafiken enthält,
  • mit Kollegen Informationen austauschen,
  • unterschiedliche Mengen, Maße und Größen, Temperaturen und Materialeigenschaften beurteilen müssen,
  • geeignete Messgeräte auswählen und ablesen müssen und die Ergebnisse in schriftlicher (numerischer) Form festhalten wollen.


Quellen:
Informationsportal der Nationalen Agentur für Erwachsenenbildung in Irland (NALA), Informationen und Veröffentlichungen über arbeitsplatzbezogene Grundbildung
Zertifikate für die Grundbildung Erwachsener: Steigern Sie Ihre Sicherheit im Lesen, Schreiben oder Rechnen und gewinnen Sie Fähigkeiten und Selbstvertrauen, um Ihre beruflichen Chancen zu verbessern.
NIACE (Nationales Institut für Fort- und Weiterbildung Erwachsener) ist die führende (Nichtregierungs-) Organisation für Erwachsenenbildung in England und Wales.
BBC Skillswise ist ein Angbeot für Erwachsene, die ihre Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten verbessern wollen. Angeboten werden die (nationalen) Einstiegslevel 1 bis 3, dazu diverse Arbeitshilfen und Materialien für Lehrende und Lernende.
Portal für Lehrende und Lernende des österreichischen Bundesministeriums für Bildung: Angebote, Informationen und Links für alle Bereiche der Erwachsenenbildung.
Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung. Das öibf hat den Auftrag, qualitätsvolle Forschung und Entwicklung umzusetzen, um Aktivitäten und Maßnahmen im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu unterstützen und zu fördern: diverse Projekte und Publikationen.
PIAAC (internationales Programm für die Erhebung von Kompetenzen Erwachsener) erhebt das Niveau und die Verteilung von Kompetenzen Erwachsener in verschiedenen Ländern. Die Studie  zielt auf Schlüsselkompetenzen und kognitive Fähigkeiten, die am Arbeitsplatz und für eine erfolgreiche Teilhabe an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen erforderlich sind. Die erste Erhebung fand im Jahr 2011 statt, die Veröffentlichung ist für das Jahr 2013 geplant.
Rund 20 EU-Mitgliedstaaten beteiligen sich an der von der OECD initiierten Erhebung. Die Umfrage hat den Anspruch, die Kompetenzen Erwachsener in vergleichbarer Weise unter den insgesamt 26 teilnehmenden Ländern zu ermitteln (die europäischen Staaten sowie Australien, Kanada, Chile, Japan, Korea und die Vereinigten Staaten).
In der PIAAC Studie soll Grundbildung in einem erweiterten Sinne erhoben und bewertet werden. So sind zum Beispiel Kompetenzen in der Nutzung von IKT relevant und auch die Fähigkeit, Informationen zu recherchieren und zu bewerten sowie mit anderen zu kommunizieren.
Das Erkenntnisinteresse dieser internationalen Studie bezieht sich zum einen auf aussagekräftige Ländervergleiche, zum anderen werden Aussagen darüber erwartet, welche Kompetenzen für eine Beschäftigung genutzt werden und erforderlich sind, welche Rolle Schule und Ausbildung in dem Prozess des Erwerbs von Fähigkeiten und Fertigkeiten spielen und wie sich das ermittelte Kompetenzniveau in ökonomischer und sozialer Hinsicht auswirkt. Schlussendlich werden auch Aussagen über die Qualität der Untersuchungsmethodik möglich.

Impressum
Die Ergebnisse des Projekts basieren auf der transnationalen Zusammenarbeit sechs europäischer Partner. Die Struktur der Partnerschaft und die hier vorhandenen Kompetenzen garantieren, dass ein breites Spektrum von Methoden und Ansätzen für die Erstellung der Projekt-Produkte zur Verfügung steht und die Ressourcen effizient genutzt werden.

Die Mitglieder der Partnerschaft sind:
Zukunftsbau GmbH (Koordination) - DEUTSCHLAND
Bildungsministerium Navarra - SPANIEN
Berufsförderungsinstitut Oberösterreich – ÖSTERREICH
Volkshochschule Sønderjylland – DÄNEMARK
Deutsch Bulgarisches Bildungszentrum Pleven – BULGARIEN
Lancaster and Morecambe College – GROßBRITANNIEN
Weitere Informationen unter www.literacy-and-vocation.eu
 
Literacy and Vocation ist ein Leonardo da Vinci Innovationstransfer Projekt.
Das Projekt wird gefördert von der Europäischen Kommission. Diese Publikation gibt ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder, für die hier enthaltenen Inhalte kann die Europäische Kommission nicht verantwortlich gemacht werden.


Logo - Life Long LearningDas Projekt LIT.VOC – Literacy and Vocation
wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die inhaltliche Verantwortung dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Informationen

... zurück zu Übersicht